UEFA Champions League

Erik Meijers Kolumne

Hart, aber herzlich – Eriks Analyse

Erik Meijer weiß genau, wovon er spricht: Er kennt den Fußball als Spieler, Trainer und Manager. Erik Meijer weiß auch, wie er sich Gehör verschafft: Er ist gelernter Metzger und gebürtiger Holländer, er analysiert hart, aber herzlich. Und Erik Meijer ist bei Sky immer für Sie da, wenn in der UEFA Champions League der Ball rollt: Im Vorlauf, in der Pause und nach den Live-Übertragungen der Matches der Königsklasse erklärt der Analyse-Experte am Touchscreen genau, was wie warum auf dem Rasen passiert ist. Dazu twittert Meijer während der Partien live zu taktischen Hinguckern (#SkyCL bzw. @erikmeijer) und erlaubt auf Sky.de in seiner regelmäßigen Kolumne vor allem vor den Spielen mit den deutschen Teams erste Blicke auf seine aktuelle Analyse-Vorbereitung.

Vor dem entscheidenden 6. Spieltag der Gruppenphase in der UEFA Champions League geht’s vor allem um Bayer Leverkusen und Schalke 04. Die Königsklasse läuft live, in HD, größtenteils exklusiv – u.a. Bayer und S04, sowie mit Deutschen Konferenzen und Spieltagskonferenzen bei Sky!


Jetzt gilt’s

Die Bayern stehen schon im Achtelfinale und werden gegen Manchester City auch Gruppensieger. Für die anderen drei Teams aus der Bundesliga gilt es jetzt, den Bayern in die K.-o.-Runde zu folgen. Dortmund hat die besten Chancen. Der BVB war gegen Neapel wieder der BVB aus der Vorsaison. Schnelles Umschaltspiel und schnelle Tore, wie wir es mögen. Auch wenn Marseille die letzte Gelegenheit auf eine Prämie nutzen will: Schade OM, die Borussia ist stärker und gewinnt „la Finale“. Das Geld geht nach Dortmund, und ein Achtelfinalticket in der Gruppe F. Zumindest zu 80 Prozent wird es so kommen. Ein bisschen enger wird der Kampf um die K.-o.-Runde für den FC Schalke 04, sogar sehr viel enger für Bayer Leverkusen. Deswegen will ich mich diesmal intensiver um diese beiden Klubs kümmern:

Fangen wir mit Bayer Leverkusen an. Sie haben sich genug geschämt für das 0:5 gegen Manchester United, für die zweite Klatsche gegen diesen Gegner, für insgesamt 2:9 Tore. Natürlich muss man etwas kleinere Brötchen backen, wenn man so die Ohren gewaschen bekommt und als Dritter einen Punkt hinter Schachtar Donezk nicht mehr aus eigener Kraft ins Achtelfinale einziehen kann. Aber schon der Auftritt der Werkself im Bundesliga-Match gleich nach der Champions-League-Pleite hat mich beeindruckt. Sie haben gegen Nürnberg souverän gewonnen, zu null, die berühmte Reaktion gezeigt. Die nächste Reaktion ist in San Sebastián fällig.

B04: einfach und schwer

Die Taktik dort ist simpel: Siegen! Das Match selbst wird nicht ganz so leicht. Siehe das 2:1 im Hinspiel mit dem entscheidenden Treffer per Freistoß in letzter Sekunde. Außerdem ist Real Sociedad in der Königsklasse unter Wert geschlagen. In der heimischen Liga sind sie auf Europa-Kurs. Tritt Bayer allerdings in Bestbesetzung an – wichtig wäre vor allem, dass Sidney Sam fit wird – sollten sie die drei Punkte in Spanien trotzdem einfahren. Sie sind besser. Zudem hilft es Leverkusen ein wenig, dass sie auswärts spielen. Sie haben den Druck, aber der Gegner muss vor seinen Fans auch ein bisschen was tun. Und vielleicht reicht bereits ein Remis, wenn Manchester gegen Donezk die Fußballer-Ehre richtig ernst nimmt und gewinnt. Alles in allem gebe ich Bayer Leverkusen eine 51-Prozent-Chance aufs Achtelfinale. Nicht mehr, denn sie sind ja davon abhängig, wie die Partie in Old Trafford ausgeht.

S04: heißes Herz, kühler Kopf

Deutlich besser, nämlich bei 75 Prozent, sehe ich die Möglichkeiten für Schalke 04. Wenn sie zu Hause gegen den FC Basel gewinnen, überwintern sie in der Champions League. Das klingt machbar, und das ist es auch. Die Frage ist, ob Basel das Chelsea- oder das Steaua-Gesicht mit nach Gelsenkirchen nimmt. Gegen Chelsea haben sie zweimal triumphiert. Gegen Steaua haben sie nur zwei Remis geschafft. Und José Mourinho und seine Stars haben den FCB zum einen schlicht unterschätzt und zum anderen liegen ihnen die Schweizer offenbar nicht. So etwas gibt es. Fragt mal in Leverkusen nach Man United oder bei Man City nach Bayern.

Schalke allerdings hat ja in Basel schon gewonnen, wird sie nicht unterschätzen und dazu bitte noch die Ruhrpott-Bergarbeiter-Tugenden auspacken, die ich dort in meiner Kicker-Zeit kennengelernt habe: Die Mannschaft kämpft gemeinsam bis zur letzten Sekunde und das Publikum steht voll hinter seinen Jungs. Die königsblauen Fans müssen von Anfang an Vollgas geben, damit die Baseler denken: „Hoffentlich kommen wir hier mit einem 0:1, 0:2 davon…“ Stechen dann Julian Draxler und Jefferson Farfan, die Schalker Offensivtrümpfe für die wichtigen Tore und das CL-Rampenlicht, wird alles gut.

Drei Fehler darf S04 jedoch nicht begehen: 1. Nicht so viele Patzer liefern wie im Pokal gegen Hoffenheim. 2. Nicht überdrehen. Aggressiv ist okay, aber bitte mit Köpfchen. 3. Beim Umschalten auf die Defensive nicht schlafen. Da müssen sie blitzschnell sein. Denn Basel agiert enorm geduldig, wartet auf Fehler und kontert überfallartig über den pfeilschnellen Ägypter Mohamed Salah, den die halbe Premier League jagt. Er schießt ein Tor und die Schweizer machen die Berghütte wieder zu. Ist der Ball weg, muss ihn Schalke also ganz schnell zurückerobern, darf sich nicht überrumpeln lassen. Außerdem darf es sie nicht irritieren, wenn es nach 15 Minuten nicht schon 2:0 steht. Heißes Herz und kühler Kopf, so muss die Schalker Devise lauten.

Wenn S04 diese Devise umsetzt und den Bayern ins Achtelfinale folgt, der BVB das tut, was ich erwarte, und auch für Leverkusen alles glatt läuft, wäre die Bundesliga im Februar mit vier Teams unter den letzten 16 der Champions League. Dann könnten wir wieder über die Frage sprechen, welche Liga die beste Liga der Welt ist. Die Antwort würde für die Bundesliga ganz gut ausfallen…

Viel Spaß mit dem 6. Spieltag und Vrolijk Kerstfeest en een Gelukkig Nieuwjaar! Wir treffen uns im Februar wieder.

Euer Erik

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