Interview mit Jürgen Weber, Fregattenkapitän a.D.

Jürgen Weber beriet das Team bei den Dreharbeiten zu der neuen Serie "Das Boot".

Der ehemalige U-Boot-Kommandant Jürgen Weber begleitete als Berater die Dreharbeiten zu "Das Boot" in La Rochelle, Prag und Malta. Im Interview erklärt er, was die Schauspiel-Riege um Rick Okon, August Wittgenstein, Franz Dinda oder Philip Birnstiel für den Dienst an Bord lernen musste.

Sie haben von 1980 bis 1992 selbst auf U-Booten gedient, viele Jahre davon als Kommandant. Was macht einen guten U-Boot-Fahrer aus?

Jürgen Weber: Für mich waren immer Kooperation, Kameradschaft und Teamwork am wichtigsten. Es geht darum, dass sich jeder auf den anderen verlassen kann. Wir sind darauf regelrecht gedrillt und trainiert worden. Schließlich sind daraus auch häufig im privaten Bereich Freundschaften entstanden, die bis heute halten.

Wie wird das trainiert?

Durch die Übung von sogenannten Notrollen, wie zum Beispiel Wassereinbruch oder Feuer im Schiff. Es wird immer wieder und so lange geübt, bis man die Rollen - auch aus dem Tiefschlaf kommend - wirklich gut abspult.

Das haben Sie auch den Schauspielern am Set beigebracht?

Zunächst habe ich bei einem Bootcamp in Prag den Schauspielern Grundsätzliches über die Geschichte der deutschen U-Boot-Waffe erzählt. Ich fand das wichtig, damit sie sich die damalige Faszination besser vorstellen können. Dann mussten sie die besondere Aussprache an Bord lernen. Die Betonung ist anders als im zivilen Leben: Es heißt nicht Alarm sondern "Alaaaaaaarm" oder man steigt auf "Zwannnnzig Meter". Und es heißt nicht "Offizier" sondern "Offzier".

Bei der Theorie ist es aber nicht geblieben?

Es war klar, dass sie auch lernen müssen, wie im Torpedoraum die Torpedos nachgeladen und abgefeuert werden. Der Torpedo wiegt schließlich 1,5 Tonnen, das muss man bei jedem Zug an der Kette auch mit einer Plastikimitation glaubhaft rüberbringen. Die entsprechenden Szenen haben wir zusammen mit dem Stuntcoordinator geprobt. Ich habe außerdem immer wieder, gern auch abends beim Bier, Fragen beantwortet: Wie spreche ich mit meinem Kommandanten? Muss ich Haltung annehmen? Wird militärisch gegrüßt?

Wie haben sich ihre Schüler angestellt?

Meine U-Boot-Schauspieler hatten alle, bis auf eine Ausnahme, nicht gedient. Und mit dieser Horde musste ich jetzt marschieren! (lacht). Tatsächlich hat es mich sehr erfreut, wie hochmotiviert die Schauspieler waren. Klaus Steinbacher zum Beispiel – er spielt den Obermechanikersmaat Wolf - hat sich im Bugtorpedoraum so in die Rolle als Torpedomaat reingekniet, dass er abends richtig erledigt war. Ich habe zum Regisseur Andreas Prochaska gesagt: 'die Torpedotruppe kannst du jetzt verheuern'.

Wurde auf einem echten U-Boot gedreht?

Nein, aber in Malta hat die Werft Cassar eine eigene Abteilung, die nur Filmschiffe baut, auch die Replika unseres U 612. Diese wurde dann nach La Rochelle verschifft, um dort das Einlaufen und Auslaufen des Boots zu drehen. Von der Bunkeranlage war ich sehr beeindruckt. (Anmerkung: Der Hafen von La Rochelle war ab 1940 ein U-Boot-Stützpunkt der deutschen Kriegsmarine). Auf Malta wurde in einem der beiden Filmbassins der Malta Film Studios und vor der Hafeneinfahrt von Valletta gedreht. Regisseur Andreas Prochaska hat dabei sehr viel Liebe zum Detail gezeigt.

Waren Sie auch schon vor Drehbeginn eingebunden?

Ich habe alle acht Drehbücher gelesen und meine Anmerkungen gemacht. Das meiste war problemlos, aber es gab zum Beispiel eine Szene, für die habe ich sogar einen anderen Experten befragt: Das Boot mit Torpedosprengstoff aus dem Eis frei sprengen? Das sprengte meine Grenzen! Das konnten wir leider nicht durchgehen lassen.

Jürgen Weber ist Fregattenkapitän a.D. und Geschäftsführer vom Verband Deutscher Ubootfahrer e.V.

360° Rundgang

Willkommen an Bord des U-Boots U-612

Kommt mit auf Tauchfahrt und erkundet das U-Boot aus der neuen Sky Original Production "Das Boot". Ihr könnt alle Räume des original U-Boots, in dem die Dreharbeiten zur Serie stattgefunden haben, erforschen. Durch zahlreiche Video-Clips und Infopoints innerhalb des virtuellen Rundgangs, erfahrt ihr alles Wissenswerte über das U-Boot und die Dreharbeiten.

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