Olympia 2010

Großes Lob und ein Schuss Selbstironie

Mit einem Schuss Selbstironie und großem Lob vom Olymp sind die tollen Tage von Vancouver zu Ende gegangen. „Es waren exzellente und sehr freundliche Spiele", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge unter tosendem Beifall bei der Schlussfeier der 21. Winterspiele, in der sich die Kanadier selbst auf die Schippe nahmen.

Als ein Clown mit einem Seil den vierten überdimensionalen Holzscheit aus dem Boden zog, der bei der Eröffnungsfeier geklemmt hatte, tobten die 60.000 Zuschauer. Noch einmal war Vancouver - wie schon in den 16 Tagen zuvor - die Party-Hauptstadt der Welt.

„Sorry, dass der Schnee erst so spät kam."

Riesige Elche schwebten zwischen grinsenden Grizzlybären durch das ausverkaufte BC Place Stadium, die berühmten Mounties tanzten ungelenk zu Swingklängen, und Schauspielerin Catherine O'Hara entschuldigte sich im Namen ihrer Landsleute: „Sorry, dass der Schnee erst so spät kam."

Als die Rockband Nickelback zum Abschluss einheizte, tanzten die Athleten aus aller Welt ausgelassen im Innenraum. Es war das passende Ende einer zweiwöchigen Marathonfete in der Metropole am Pazifik.

„Vielen Dank für diese einzigartige und freudige Feier des olympischen Geistes", sagte Rogge, der dem Organisationskomitee VANOC ein gutes Zeugnis ausstellte: „Das war ein hervorragender Job. Ihr habt es geschafft, ihr habt gewonnen."

Die Welt lernt Kanada kennen

VANOC-Chef John Furlong gab das Lob an seine Landsleute weiter. „Im ganzen Land ist die schönste Art von Patriotismus ausgebrochen. Die Kanadier haben zusammen mit den Besuchern aus aller Welt gefeiert - strahlend, überglücklich, spontan und friedlich.

Ihr wart der Wind unter unseren Flügeln", sagte Furlong und fügte an: „Wenn Kanada am Eröffnungstag für einige noch ein wenig rätselhaft war, ist es das nicht mehr. Jetzt kennt ihr uns!"

Und damit die Gäste aus aller Welt Kanada in Erinnerung behalten, spielten die Organisatoren noch einmal mit ihren nationalen Symbolen - mit einem Augenzwinkern.

Kanada-Gänse flatterten schnatternd als übergroße Projektion durch die Arena, Ahornblätter tanzten durch den Innenraum, überdimensionale Eishockeyspieler prügelten sich - natürlich mit der Goldmedaille um den Hals.

Sotschi ging etwas unter

Schauspieler William Shatner, der Captain Kirk des legendären Raumschiffs Enterprise, erklärte den ausländischen Gästen, warum Kanadier bei minus 30 Grad schon Anzeichen des Klimawandels sehen.

Und Michael J. Fox, der an Parkinson erkrankte Hollywood-Star, stellte sich so vor: „Hi, ich bin Mike, ich bin Kanadier." In der fröhlichen und farbigen Selbstinszenierung der Kanadier ging der Gastgeber der nächsten Winterspiele ein wenig unter.

Sotschi präsentierte sich eher klassisch - mit Tänzern des weltberühmten Bolschoi-Theaters und Bildern der Sommerspiele 1980 in Moskau. Als Rogge um 18.56 Uhr Ortszeit die Spiele für beendet erklärte, ging ein enttäuschtes Raunen durch das Stadion. Doch draußen tobte die Party noch stundenlang in Vancouvers Straßen.