Eisschnelllauf
18.02.2012 16:42 Uhr

(sid) - Vier Tage vor ihrem 40. Geburtstag lief die EM-Zweite aus Berlin im 3000-m-Rennen in 4:07,14 Minuten auf den vierten Platz und hat nach Rang 15 zum Auftakt über die ungeliebten 500 m im Gesamtklassement den Kontakt zu den Spitzenplätzen zunächst verloren. Als Gesamt-Siebte liegt sie vor dem 1500-m-Rennen am Sonntag 2,7 Sekunden hinter der drittplatzierten Europameisterin Martina Sablikova aus Tschechien.
"Ich war krank, dann kam noch die Verletzung an der Halswirbelsäule dazu - trotz der nicht optimalen Vorbereitung habe ich mehr von mir erwartet. Aber mehr war einfach nicht drin", sagte Pechstein, die mit Blick auf den zweiten Tag nicht ihren Humor verlor: "Ich will hier auch Spaß haben. So oder so bin ich auf jeden Fall die schnellste 39-Jährige hier auf dem Eis."
Die Entscheidung fällt auf Pechsteins und Sablikovas Spezialstrecke über 5000 m. In Führung liegt zur Halbzeit Titelverteidigerin Ireen Wüst vor 1000-m-Olympiasiegerin Christine Nesbitt aus Kanada. Sablikova geht als mit Abstand beste 5000-m-Läuferin aber als Favoritin in den zweiten Tag. Über 3000 m gewann die Doppel-Olympiasiegerin in Bahnrekordzeit von 4:01,80 Minuten vor Wüst (4:02,69) und Linda de Vries aus den Niederlanden (4:07,06).
Hoffnungen machen Pechstein die Erinnerungen an ihre beiden letzten Weltcup-Siege, die sie im November 2008 auf den beiden am Sonntag noch zu laufenden Strecken in der Krylatskoje-Halle holte. "Mit einer Medaille wird es natürlich schwer, aber ich habe hier schon sehr gute Rennen über 1500 und 5000 m gezeigt. Ich werde alles geben."
Auch Teamchef Helge Jasch verwies auf die "nicht optimale Vorbereitung" seiner erfahrensten Läuferin und hob hervor, dass sie "dafür das Bestmögliche herausgeholt" habe. "Wenn bei ihr alles optimal läuft und die Konkurrenz auch mal patzt, ist auch eine Medaille nicht unmöglich", sagte Jasch. Pechstein bestreitet in Moskau ihre insgesamt 18. Mehrkampf-WM. Bislang gewann sie eine Goldmedaille (2000 in Milwaukee), achtmal Silber und zweimal Bronze.
Pechsteins Berliner Teamkollegin Isabell Ost belegt im Gesamtklassement nach den Einzelplätzen 24 und 15 nur den 22. Rang und hat als Drittletzte praktisch keine Chance mehr auf eine Qualifikation für die Teilnahme am abschließenden 5000-m-Wettkampf.
Bei den Männern entging Top-Favorit Sven Kramer zum Auftakt nur mit Glück einer Disqualifikation. Im 500-m-Rennen übertrat der Oranje-Superstar auf der Zielgeraden mit dem rechten Schuh zweimal die Begrenzungslinie. Schiedsrichter Jan Augustinus, wie Kramer Niederländer, beließ es bei einer Ermahnung. "Ich bin über die Linie gelaufen, aber nicht mit dem ganzen Schuh - sonst wäre ich wohl draußen gewesen", sagte Kramer.
Über 5000 m ließ er dann keine Zweifel aufkommen und deklassierte die Konkurrenz in der Bahnrekordzeit von 6:14,23 Minuten. Damit machte Kramer einen Sprung vom achten auf den ersten Rang im Gesamtklassement, das fest in Oranje-Hand ist. Hinter Kramer, der seinen fünften WM-Mehrkampftitel anpeilt, rangieren Jan Blokhuijsen und Koen Verweij auf den Rängen zwei und drei. Lokalmatador Ivan Skobrew hat als Fünfter kaum noch Chancen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Patrick Beckert (Erfurt), einziger deutscher Starter, wurde 20. über 500 m, Zehnter über 5000 m und ist damit Gesamt-16.