Exklusiv auf Sky: Andreas Herzog im Interview
Andreas Herzog – nicht nur in Österreich ist der 40-Jährige eine Fußballlegende. Von Rapid Wien zog es ihn hinaus in die große, weite Fußballwelt. Werder Bremen, Bayern München, Los Angeles Galaxy. Herzog ist viel herum- gekommen. Inzwischen betreut er beim ÖFB den U21-Nachwuchs und ist für Sky Sport Austria als Experte im Einsatz. Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews beleuchtet Herzog den deutschen Fußball und verrät, an welchem besonderen Ort er das letztes Tor seiner Karriere erzielte.
Sky: Die deutsche Bundesliga ist ab kommender Saison über Sky auch in Österreich zu empfangen. Verfolgen sie den deutschen Fußball?
Andreas Herzog: Auf jeden Fall. Ich habe selbst über zehn Jahre in Deutschland gespielt. Da verfolgt man natürlich alles ganz genau. Ich bin froh, dass ich auf Sky wieder alle Spiele sehen kann.
Wo würden Sie die Liga im Vergleich zu den anderen Top-Ligen Europas einordnen? Von den Stadien und Zuschauern her ist sie sicher die beste Liga der Welt. Von der Qualität gehört sie zu den drei, vier Top-Ligen. Es läuft alles in geregelten Bahnen. In Italien oder Spanien ist das nicht so. Da haben Vereine 500 Millionen Euro Schulden, so wie Valencia. Die müssen ihren besten Spieler David Villa verkaufen und verlängern vorher noch einmal seinen Vertrag. Das empfinde ich als komisch.
Die Meisterschale ging völlig überraschend an Wolfsburg. Hat der VfL aufgrund der eigenen Stärke triumphiert, oder war Bayern München unter Jürgen Klinsmann einfach zu schlecht? Wolfsburg hat heuer sicher exzellent gespielt. Der VfL hatte in der Rückrunde zehn Siege hintereinander. Sie haben Bayern 5:1 und dann im letzten Spiel Werder Bremen auch 5:1 geschlagen. Immer wenn es darauf ankam, waren sie zur Stelle. Das war kein Glück. In der Offensive haben die „Wölfe“ einen hervorragenden Fußball gespielt und sind verdient Meister geworden.
Kann Wolfsburg den Titel verteidigen, oder gibt es andere Favoriten? Ich würde es Armin Veh
(Wolfsburgs neuer Trainer, Anm. d. Red.) wünschen. Aber das wäre eine noch größere Sensation wie 2007, als er mit Stuttgart den Titel holte. Hauptfavorit ist Bayern München.
Sie kennen die Bayern und das Umfeld in München aus eigener Erfahrung. Ist Louis van Gaal der richtige Mann auf der Trainerbank? Bei Bayern wirst du immer am Erfolg gemessen. Van Gaal hat schon einiges vorzuweisen. Ich glaube, dass er einer der Top-Trainer in Europa ist und das wird er bei Bayern auch zeigen.
Was ist drin für ihren zweiten Ex-Klub Werder Bremen? Wieder nur Mittelmaß? Man muss sehen, wie Bremen Diego ersetzen kann. Man redet zwar immer von Mannschaft und Kollektiv, aber er war der herausragende Spieler. Mit ihm ist Werder siegreich gewesen. Wenn er nicht dabei war oder schlecht drauf, sind sie gestolpert. Ihn zu ersetzen, wird ganz, ganz schwer. Ich bin gespannt. Aber es ist Klaus Allofs
(Geschäftsführer, Anm. d. Red.) in den letzten Jahren immer wieder gelungen, Top-Spieler zu verpflichten. Die Frage ist, wen sie da aus dem Hut zaubern.
Sky zeigt auch alle 63 Spiele des DFB-Pokals. Der Reiz des Wettbewerbs ist das Duell David gegen Goliath. Sie waren selber dabei. Ist es als Profi besonders schwer, sich zu motivieren, wenn man bei einem Amateurklub in der Provinz antritt? Das Schwierige daran ist, dass man als Profiteam nichts gewinnen kann. Die Mannschaft, die den Pokal holt, hat alles richtig gemacht und kann feiern. Alle anderen werden zerrissen. Für mich war es immer am besten, wenn wir am Anfang gegen einen anderen Bundesligisten ran mussten. Kommt man weiter, hat man schon einen guten Gegner eliminiert. Gegen einen schwachen Gegner kannst du nichts gewinnen. Das waren immer die bittersten Spiele. Für die kleinen Vereine ist es natürlich toll. Ein volles Stadion ist ein absolutes Highlight.
Bremen hat 2009 seinen sechsten Pokalsieg eingefahren. Haben sie den Werder-Triumph verfolgt? Ich habe alles mitbekommen. Es war absolut verdient, weil sie auch eine Auslosung erwischt haben, wie nie eine Mannschaft zuvor. Gegen Top-Gegner und immer auswärts. In Hamburg, in Wolfsburg, in Dortmund. Wenn es eine Mannschaft verdient hatte, dann war das Werder Bremen.
Sie wurden mit den Bremern zweimal Pokalsieger. 1994 und 1999. Welche Bedeutung haben die beiden Titel für Sie? Der Pokal hat in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert. Ähnlich wie in England. Das waren wunderschöne Erlebnisse für mich. Die Meisterschaft mit Werder oder auch der UEFA-Cup-Sieg mit Bayern München sind höher anzusiedeln. Aber ich stand dreimal im Pokalfinale, und habe zwei davon gewonnen. Darauf bin ich sehr stolz.
Was waren weitere Top-Momente in ihrer Karriere? Dazu gehören sicherlich die Qualifikationen mit Österreich für die Weltmeisterschaften 1990 in Italien und 1998 in Frankreich.
Sie haben ihre Profi-Laufbahn 2004 in Los Angeles in der Major League Soccer ausklingen lassen und wurden sogar ins All-Star Team gewählt. Hatten Sie in den USA eine schöne Zeit? Das war noch mal ein Highlight zum Ende meiner Karriere. Mein letztes Tor habe ich in New York geschossen. Das hat einen besonderen Erinnerungswert. In so einer Weltmetropole, im letzten Jahr, das allerletzte Tor in einer langen Karriere. Das hat für mich persönlich schön zusammengepasst.
Zum Abschluss eine Frage, die sich ausnahmsweise nicht ums runde Leder dreht. Welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit?
Das ist total unterschiedlich. Ich war immer ein absoluter Fan von Bruce Springsteen und Bryan Adams. Das sind meine zwei Lieblingssänger. Und vielleicht noch Xavier Naidoo.
Teil eins des Exklusiv-Interviews mit Andreas Herzog.