Die Bayern können am Samstag Sportgeschichte schreiben. Im UEFA Champions League Endspiel gegen Inter Mailand (live ab 19:30 Uhr auf Sky Sport HD und Sky Sport 1) greifen die Münchner nach dem Triple. Sky Experte Ottmar Hitzfeld, Trainer der Schweizer Nationalmannschaft und Bayerns Meistertrainer beim letzten europäischen Triumph 2001, warnt die Münchner vor allem vor den schnellen Mailänder Stürmern.
Sky: Vor gut einem halben Jahr musste Trainer Louis van Gaal enorme Kritik einstecken. Das Champions League-Aus drohte, die Mannschaft wirkte verunsichert. Dann kam der große Auftritt in Turin und der FC Bayern eilte von Erfolg zu Erfolg. Wie ist diese Wandlung zu erklären?
Ottmar Hitzfeld: Es wurde in Turin und im weiteren Laufe der Saison deutlich, dass doch ein guter Charakter in der Mannschaft steckt. Zudem haben die Bayern aufgrund des enormen Potenzials im Kader immer die Möglichkeit, Schwächephasen einzelner Spieler auszugleichen und auch Fehleinkäufe aufzufangen. Bei Stuttgart oder Bremen müssen große Transfers einschlagen, sonst hat man ein Problem. Die Bayern verfügen halt über 20 Nationalspieler und können auch auf dem Transfermarkt nachlegen. Van Gaal hat mit der Zeit seine ideale Formation gefunden, die Mannschaft hat Sicherheit bekommen, eine tolle Aufholjagd gestartet und ist völlig verdient Deutscher Meister und Pokalsieger geworden.
Sky: Sie sprechen den Nachkauf Arjen Robben an.
Hitzfeld: Arjen Robben ist ein wahrer Glücksgriff. Er hat ganz entscheidende Punkte eingefahren, sowohl in der Bundesliga, aber vor allem auch in der Champions League. Deshalb ist es ganz wichtig für die Münchner, Ausnahmespieler wie Ribery und Robben an sich zu binden, um auch internationale Ansprüche erfüllen zu können. Solche Spieler machen den Unterschied aus.
Sky: Neben Robben sind aber auch noch andere Spieler in den Blickpunkt gerückt – teilweise solche, die vor der Saison keiner auf der Rechnung hatte.
Hitzfeld: Thomas Müller und Holger Badstuber sind die ganz großen Aufsteiger der Saison. Sie spielen konstant auf einem hohen Niveau und sind völlig zu Recht in den WM-Kader berufen worden. Für mich eine phänomenale Leistung der Beiden. Ebenso wie die Auftritte von Olic. Er ist der mit Abstand beste Einkauf gewesen. Und nicht zu vergessen das Herzstück der Mannschaft: Van Bommel und Schweinsteiger sind in überragender Verfassung.
Sky: Mit welchen Mitteln ist Inter Mailand am Samstag zu besiegen?
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Hitzfeld: Die Bayern werden das zuletzt erfolgreiche System beibehalten, das ist auch völlig richtig so. Sie werden mehr Ballbesitz haben, werden mehr Pässe spielen als Inter und ihrer Philosophie treu bleiben. Man wird Geduld haben und Inter müde spielen müssen, dann werden sich Lücken im Abwehrbereich ergeben. Ich erkenne auch Schwächen in der Mailänder Rückwärtsbewegung, da sind sie nicht so stark. Die größte Chance der Bayern sehe ich für einen Kontertreffer, da haben sie genug schnelle Spieler, die einen Angriff abschließen können.
Inter ist nicht dafür bekannt, dass sie schön spielen, sie spielen effektiv, werden versuchen, das Spiel der Bayern mit aggressivem Zweikampfverhalten zu zerstören. Mailand ist eine der konterstärksten Mannschaften Europas, die Bayern müssen höllisch auf die schnellen Stürmer Milito, Eto’o oder Pandev aufpassen.
Sky: Können die Bayern den Ausfall von Ribery in diesem Finale verkraften?
Hitzfeld: Ich glaube, das gehört zum Spiegelbild der Saison. Teilweise hat Ribery gespielt, teilweise hat er gefehlt. Die Mannschaft hat seine Ausfälle immer ganz gut aufgefangen. Natürlich ist Ribery nicht immer gleichwertig zu ersetzen, aber er ist anders zu ersetzen. Und Altintop hat in Lyon ein super Spiel gemacht, er gehörte zu den Besten. Zudem ist er auch defensiv stabiler, das muss gegen Inter nicht gerade ein Nachteil sein.
Sky: Gibt es am kommenden Samstag den historischen Triple-Gewinn?
Hitzfeld: Die Chancen der Bayern stehen bei 60:40. Sie gewinnen 2:1!
Das Gespräch führte Matthias Herzog