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DFB-Elf "brennt" auf die "Rugby-Australier"

Joachim Löw blickt positiv auf den Auftakt beim Confed Cup.

19.06. | 13:43

Kaltstart im Ferienparadies: Mit dem Spiel gegen Australien in Sotschi beginnt für die deutsche Nationalmannschaft ihr Abenteuer Confed Cup. Es ist ein Auftakt mit vielen Unwägbarkeiten.

(sid) - Joachim Löw grübelte beim gemütlichen Strandspaziergang am Schwarzen Meer über Taktik und Aufstellung, seine "Jungs" stimmten sich beim Sonnenbaden am Hotelpool auf die Mini-WM ein. Doch wenn das Abenteuer Confed Cup für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Montag (ab 17.00 Uhr) im Kur- und Badeort Sotschi beginnt, ist mit der Urlaubsstimmung schlagartig Schluss. Dafür wird allein Gegner Australien sorgen, dem Löw eine gewisse "Rugby-Mentalität" bescheinigte.

Für Löw und seinen dezimierten 21er-Kader ist es ein Start voller Unwägbarkeiten. "Es ist nicht zu erwarten, dass immer alles klappt und alles läuft wie erhofft", sagte Löw am Sonntag, "wichtig wird sein, dass wir die Anfangsnervosität ablegen." Was seine Mannschaft bei der WM-Generalprobe (bis 2. Juli) erreichen kann, müsse sich "im Verlauf des Turniers zeigen". Löw ist "gespannt auf die Jungs, die Mannschaft brennt auf den Start".

Offene Fragen könnten geklärt werden

Wer übernimmt neben Kapitän Julian Draxler Führungsaufgaben? Wer empfiehlt sich für das Unternehmen erneuter WM-Triumph 2018? Das sind die drängendsten Fragen, auf die sich Löw mit dem Anstoß im Fischt-Stadion, wo die DFB-Elf in Gedenken an Altkanzler Helmut Kohl mit Trauerflor spielen wird, erste Antworten erhofft. Dem Duell mit dem Asienmeister um die Bundesliga-Profis Mitch Langerak (VfB Stuttgart) und Mathew Leckie (künftig Hertha BSC) kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Ein Sieg zum Auftakt würde die Last auf den vielfach jungen Spielerschultern für das wohl schwerste Gruppenspiel am Donnerstag in Kasan gegen Chile und das Duell mit Kamerun (25. Juni/Sotschi) erleichtern.

"Die Erwartungshaltung ist natürlich ein Sieg", sagte Teammanager Oliver Bierhoff, "wir wissen aber auch, dass wir mit einer Mannschaft spielen, die so nicht allzu häufig gespielt hat." Im Tor, das hat Löw verraten, wird Bernd Leno stehen. "Die Vorfreude ist groß, die Anspannung da, es kribbelt bei allen", sagte der Leverkusener. Vor Leno sind viele Positionen offen, hatte der Bundestrainer doch angekündigt, möglichst allen Spielern Einsatzzeit zu geben. Zudem muss Löw eine Antwort auf das Spielsystem der Socceroos (3-2-4-1) finden - und auf deren Kampfgeist.

"Fußball aus dem Rugby"

"Australischer Fußball kommt ein bisschen aus dem Rugby", sagte Löw im ZDF, "sie sind physisch sehr stark, haben eine unglaublich gute Mentalität, geben nicht auf, lassen nicht nach. Es ist eine Mannschaft, die schwer zu bespielen ist." Der Asienmeister ist jedoch anfällig bei Standards, wie Löw beim 0:4 der Aussies im jüngsten Test gegen Brasilien beobachtet hat. Daher setzte er im Training darauf einen Schwerpunkt.

Auch abseits des Platzes stimmte er seine Mannschaft inmitten dieses ungewöhnlichen Ortes zwischen schneebedeckten Bergen im Hintergrund, Urlaubsflair am Strand und kreischenden Touristen im Vergnügungspark auf ihre große Aufgabe ein. Er habe ihr von 2005 erzählt, berichtete Löw in der ARD, davon, wie die späteren Weltmeister Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski damals beim Confed Cup die Fußball-Weltbühne betreten hätten. "Das kann schon als gutes Beispiel für manche dienen", sagte er, "ich habe das Gefühl, dass einige den Durchbruch schaffen können."

Insofern sei das Turnier kein Risiko, sondern "ein Geschenk" für ihn, betonte Löw. Er erwartet "Ehrgeiz und eine gewisse Dynamik" von seinen Perspektivspielern: "Meine Hoffnung ist groß, dass auch ein gewisser Lerneffekt einsetzt."

Und: Löw verlangt, dass die Spieler "eine Vorbildfunktion" einnehmen "für unsere Bürger zu Hause, für 80 Millionen Deutsche". Sie sollen Russland und der Welt zeigen, "dass wir gewisse Werte vertreten: Fairness, Respekt, Toleranz." Wenn dazu noch drei Punkte kommen, umso besser.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Australien: Ryan - Ryan McGowan, Sainsbury, Degenek - Mooy, Milligan - Leckie, Rogic, Troisi, Smith - Juric. - Trainer: Postecoglou

Deutschland: Leno - Rüdiger, Mustafi, Ginter - Kimmich, Can, Goretzka, Hector - Draxler - Wagner, Werner. - Trainer: Löw

Schiedsrichter: Mark Geiger (USA)

WM 2018